sitzend verzweifelte Frau von hinten ©Oleg Yakovenko/123rf.com

Panikattacken nach Absetzen der Pille

Von Panikattacken wegen der Pille haben viele Frauen gehört. Aber manche müssen erleben, dass die Angstzustände erst nach dem Pille absetzen anfangen. Was ist da los? Und was kannst du dagegen tun? Hier erfährst du, was es über Panikattacken nach der Antibabypille zu wissen gibt, und wie man sie erkennt. Denn nicht alles, was aussieht wie eine Panikattacke, ist auch eine.

Wie viele Frauen bekommen Panikattacken nach dem Pille absetzen?

Zu Panikattacken nach Absetzen der Pille gibt es leider keine gesicherten wissenschaftlichen Daten. Zu Panikattacken während der hormonellen Verhütung übrigens auch nicht. Weder in wissenschaftlichen Fachzeitschriften noch in Frauenforen wirst du eine Prozentzahl finden. Aber selten scheinen Panikattacken nach dem Ende der hormonellen Verhütung nicht zu sein. Jeder Frauenarzt kennt sie und hat mindestens eine Patientin mit Post-Pill-Angstzuständen erlebt. Vielleicht ist es beruhigend, zu wissen: Mit Panikattacken nach Absetzen der Pille bist du sicher nicht allein.

Panikattacken: Was ist das eigentlich?

Eine Panikattacke ist ein Anfall von grundloser Angst. Vielleicht gibt es einen bestimmten Auslöser: ein lautes Geräusch, ein Gesicht in der Menge, irgendeine unwichtige Kleinigkeit. Aber meistens gibt es keinen. Du sitzt, stehst oder gehst, bist beim Sport oder in der Arbeit oder liegst im Bett. Und plötzlich beginnt das Herz, zu rasen. Du fürchtest dich vor nichts Bestimmten. Du hast einfach nur Angst. Dein Körper steckt in der Fight-or-Flight-Reaktion, ohne sichtbaren Grund.

Wie sieht eine Panikattacke aus?

Die äußeren Symptome einer Panikattacke sind dieselben wie bei echter, normaler Angst:

– Herzrasen- Schweißausbruch- Zittern- Atemnot, Gefühl von Enge auf der Brust- innere Unruhe- vielleicht Übelkeit- vielleicht Hitzegefühl oder Kälteschauer

Manchmal erkennst du die Panikattacke nicht, während du mitten drin steckst. Du merkst nur das Herzrasen und das Engegefühl und verwechselst es mit einer schweren körperlichen Krankheit. Zum Beispiel mit einem drohenden Ohnmachtsanfall oder einem Herzinfarkt. Dann wird die Angst erst recht noch größer: „Was, wenn ich sterbe?“ Dein Körper spielt verrückt ohne sichtbaren Grund. Da ist es normal, dass das Gehirn panische Angst bekommt.Glücklicherweise dauert eine Panikattacke nur kurz. Auch, wenn sie dir ewig vorkommt – in Sekunden oder Minuten ist sie vorbei.

Schnellhilfe: Was tun während einer Panikattacke?

Wenn du weißt, dass du gerade eine Panikattacke hast und keine andere Krankheit, ist schon viel gewonnen. Denn eine Panikattacke geht von selbst vorbei. An diesem Gedanken kannst du dich festhalten und die Attacke aussitzen. Atme so tief und so ruhig, wie du kannst. Kannst du dich irgendwo hinsetzen, dann setz dich. Notfalls auf den Boden. Hast du Freunde oder Verwandte um dich, denen du vertraust? Dann sag ihnen, was dir gerade passiert. Sie helfen dir, ruhig weiter zu atmen, bis der Anfall vorbei geht. Du brauchst wegen einer Panikattacke keinen Krankenwagen. Zum Arzt gehen und dich durchchecken lassen solltest du durchaus – aber erst hinterher.

Panikattacken während und nach der Antibabypille – haben beide dieselben Ursachen?

Panikattacken während der hormonellen Verhütung sind häufig genug, dass viele Präparate sie als Nebenwirkung im Beipackzettel stehen haben. Den Grund sehen die meisten Ärzte in der Hormonumstellung: Die künstlichen Hormone der Antibabypille bringen deinen gesamten Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht. Auch den des Stress- und Angsthormons Adrenalin. Wie geht das? Die weiblichen Hormone (Östrogene) kommen aus der Nebenniere, und hier kommt auch das Adrenalin her. Wenn künstliche Östrogene deine Nebenniere durcheinander bringen, kann auch die Adrenalinproduktion aus dem Ruder laufen. Ein plötzlicher Adrenalinschub ohne erkennbaren Grund – schon bekommst du Panik.

Warum die Panikattacken für manche Frauen nach der Verhütung noch weitergehen, wäre damit auch erklärt. Vermutlich hält die Wirkung der künstlichen Östrogene auf die Nebenniere noch ein paar Wochen oder Monate an. Aber warum gehen bei manchen Frauen die Panikattacken erst los, nachdem sie keine Hormone mehr nehmen? Das liegt wahrscheinlich an der zweiten Umstellung, von der Antibabypille zurück zum normalen Zyklus. Für deinen Körper kann dieser Rückweg genauso belastend sein wie schon die erste Umstellung von normal zu künstlich. War deine Nebenniere mit den fremden Östrogenen vielleicht schon angeschlagen, kommt sie jetzt ganz ins Stolpern. Bis sie sich wieder fängt, dauert es seine Zeit.

Und was, wenn der Blutzucker schuld ist?

Nicht alles, was wie eine Panikattacke aussieht, ist auch eine. Es gibt ein recht häufiges Phänomen, das du leicht mit Panikattacken verwechseln kannst: die Unterzuckerung. Fällt dein Blutzuckerspiegel plötzlich ab, dann können folgende Symptome auftreten: Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Herzrasen oder Herzklopfen, Schwindel, innere Unruhe – sogar ein Engegefühl auf der Brust kann bei Unterzuckerung auftauchen. All das sieht einer Panikattacke täuschend ähnlich. Fehlt nur noch die Panik. Aber sie kann nachträglich dazukommen – der Mediziner sagt, sekundär – wenn du die Symptome bemerkst und Angst bekommst.

Wo kommt die Unterzuckerung her?

Mit Unterzucker kämpfen nur Diabetiker und Leute auf Diät – oder? Leider nicht nur. Denn nicht nur Essen und Insulin haben Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Dass die Antibabypille den Appetit anregen kann, merken viele Frauen auf der Waage. Diese Nebenwirkung hält nach dem Absetzen noch einige Wochen an. Und bei manchen kommen die Heißhunger-Anfälle und die Pfunde erst nach der Verhütung. Ähnlich wie die Panikattacken. Beides könnte mit der Nebenniere zu tun haben. Und vor allem mit dem Langzeit-Stresshormon Cortisol. Dieses Hormon ist dazu da, Reserven zu mobilisieren und den Blutzucker hoch genug zu halten selbst während einer Hungersnot.

Normalerweise schüttet deine Nebenniere nur wenig Cortisol aus. Aber unter Stress oder während einer Hormonumstellung kann dein Cortisolspiegel ansteigen. Dann steuert dein Insulinsystem dagegen, damit der Blutzucker nicht zu hoch wird. Schließlich herrscht ja keine Hungersnot, sondern du isst ganz normal. Insulin und Cortisol halten sich jetzt die Waage. Aber das Gleichgewicht trügt. Schüttet deine Nebenniere einmal etwas weniger Cortisol aus, drückt das Insulin deinen Blutzucker sofort nach unten. Fällt er nur ein bisschen, dann bekommst du Appetit. Fällt dein Blutzucker weit, dann bekommst du einen Anfall von Unterzucker. Der lässt sich leicht mit einer Panikattacke verwechseln. Und wenn du Angst bekommst, kann er zur Panikattacke werden.

So beugst du Unterzuckerung vor

Du bist nicht sicher, ob vielleicht Unterzucker schuld ist an Herzrasen, Unruhe und Schweißausbrüchen? Du kannst es ausprobieren. Folgende vier Strategien helfen dir, deinen Blutzucker stabil zu halten:

1. Das Essen gleichmäßig über den Tag verteilenMit fünf kleinen Mahlzeiten hältst du deinen Blutzucker leichter stabil als mit drei großen. Frühstücke möglichst gleich nach dem Aufwachen. Auf halbem Weg zwischen Frühstück und Mittagessen gibt es eine Zwischenmahlzeit, zum Beispiel Obst oder einen Müsliriegel. Zwischen Mittagessen und Abendbrot isst du ein belegtes Brot.

2. Keinen Zucker oder SüßstoffEs mag widersinnig klingen, aber Zucker hilft nicht gegen Unterzucker. Kurzfristig treibt er deinen Blutzuckerspiegel zwar nach oben. Aber dann kommt das Insulin und drückt ihn wieder herunter. Süßstoff ist noch schlechter für den Blutzuckerspiegel. Er hat zwar keine Kalorien, aber deine Zunge bemerkt trotzdem den süßen Geschmack. Und deine Bauchspeicheldrüse bekommt das Signal: „Zucker im Anmarsch!“ Sie schüttet Insulin aus, um den vermeintlichen Zucker abzufangen – aber es kommt keiner. Dein Blutzucker fällt, ohne vorher gestiegen zu sein. Das gilt für künstliche Süßungsmittel genauso wie für Stevia und andere pflanzliche Süßstoffe.

3. Komplexe KohlenhydrateWeiße Kohlenhydrate – Reis, Nudeln, normales Brot – sind leicht zu verdauen. Im Darm werden sie zu Zucker aufgespalten. Der gelangt schnell in den Blutkreislauf. Weiße Kohlenhydrate treiben deinen Blutzucker nach dem Essen rapide in die Höhe. Danach schüttet deine Bauchspeicheldrüse eine Menge Insulin aus und der Blutzuckerspiegel fällt wieder schnell herunter. Bei dieser Berg- und Talfahrt kannst du leicht in den Unterzucker weiterrutschen. Länger hältst du deinen Blutzucker stabil mit komplexen Kohlenhydraten. Sie dauern länger zu verdauen. So kommt der Zucker gleichmäßig verteilt ins Blut. Komplexe Kohlenhydrate bekommst du aus Vollkornprodukten.

4. ProteineAus Eiweißen kann deine Leber zur Not Zucker machen. Deshalb helfen proteinreiche Lebensmittel, deinen Blutzucker stabil zu halten. Wie wäre es schon morgens mit einem Frühstücksei?

Panikattacken: Wann zum Arzt – und zu welchem?

Nach einer Panikattacke solltest du grundsätzlich beim Arzt abchecken lassen, was dahinter steckt. Der erste Ansprechpartner ist dein Hausarzt. Beschreibe ihm genau, was passiert ist. Und war es deine erste Attacke oder hattest du früher schon welche? Erwähne auch, wann du die Antibabypille abgesetzt hast.

Der Arzt wird zuerst nach möglichen körperlichen Ursachen sehen. Am besten fragst du ihn selbst, ob deine Beschwerden mit dem Blutzucker zu tun haben könnten. Findet der Hausarzt keine körperliche Ursache, dann kannst du bereits beruhigt sein: Du hast „nur“ Panikattacken, also keine andere, womöglich schlimme Krankheit. Jetzt kannst du abwarten, ob die Panikattacken von selbst vorbei gehen.

Wie lange halten die Panikattacken nach dem Absetzen der Pille an?

Leider gibt es keine wissenschaftlichen Daten dazu, wie lang und wie oft die Panikattacken nach der Antibabypille auftreten können. Hattest du sie schon mit dem Hormonpräparat, dann verschwinden sie meistens, wenn sich dein Zyklus wieder eingependelt hat. Sind sie erst nach dem Absetzen aufgetaucht, dann weißt du nicht, wie lange es dauern wird. Manche Frauen haben nur eine einzige Panikattacke und dann nie wieder eine. Andere kämpfen mehrere Wochen oder gar Monate lang damit. Hat sich dein Monatszyklus ansonsten eingependelt, aber die Panikattacken gehen weiter? Dann ist es Zeit, zum Spezialisten zu gehen, also zum Neurologen oder Psychiater. Vielleicht haben deine Panikattacken gar nichts mit der Verhütung zu tun, sondern sind nur zufällig zur gleichen Zeit aufgetreten.

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