Depressive, nachdenkliche Frau sitzt am Boden ©Katarzyna Białasiewicz/123rf.com

Depressionen nach Absetzen der Pille

Die Antibabypille bringt nicht nur den Hormonhaushalt durcheinander, sondern bei manchen Frauen auch die Stimmung. Depressionen stehen auf der Nebenwirkungsliste vieler hormoneller Verhütungsmittel. Was wenige Frauen rechtzeitig erfahren: Manchmal tritt die Depression erst nach dem Pille absetzen auf. Woran kannst du diese Spätfolge erkennen? Und wie unterscheidest du sie von anderen Krankheiten?

Anzeichen einer Depression

Betroffene beschreiben Depressionen oft als ein schwarzes Loch, in das sie fallen. Es gibt keine Freude mehr. Was früher interessant und wichtig war – die Familie, die Freunde, die Arbeit, die Freizeit – wird fade und grau. Du sagst Einladungen ab, oder gehst hin und sitzt dann in einer Ecke und wünschst dir, du wärst daheim geblieben. Das Essen schmeckt nicht mehr. Vielleicht stopfst du trotzdem alles in dich hinein. Deine Arbeit willst du zwar eigentlich tun, aber dir kommt alles sinnlos vor. Du fühlst dich wie eine leere Hülle. Nachts liegst du entweder stundenlang wach, oder aber du schläfst viel mehr als sonst. Du glaubst, aus diesem Loch kämst du nie wieder heraus, erst mit dem Tod.

Ärzte beschreiben Depressionen mit mehr Fachbegriffen. Aber im Grunde sagen sie dasselbe: gedrückte Stimmung, Trauer oder Antriebslosigkeit über mehr als zwei Wochen. Bei einer leichten Depression geht der Patient vielleicht weiterhin zur Arbeit oder zur Schule, aber bei einer schweren Depression bleiben viele nur noch im Bett liegen. Dazu kommen weitere Symptome von der folgenden Liste:

  • fehlendes Interesse an Dingen, die der Patient früher gerne tat (Sport, Freundeskreis, usw.)
  • deutliche Gewichtszunahme oder -abnahme (ohne Diät) oder ständig wechselnder Appetit
  • Schlaflosigkeit oder ungewöhnlich viel Schlaf
  • Unruhe, nicht stillsitzen können oder aber Lethargie, verlangsamte Bewegungen, verlangsamte Sprache
  • Ständige Müdigkeit und Erschöpfung; die einfachsten Tätigkeiten (aufstehen, waschen, anziehen, Zähne putzen) erscheinen schwierig und dauern lange
  • grundlose Schuldgefühle, Grübeln über Kleinigkeiten oder Gefühl, wertlos und nutzlos zu sein
  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder sich etwas zu merken
  • Todesgedanken, Selbstmordgedanken

Bin ich depressiv? Selbsttests und was sie bringen

In Frauenzeitschriften und im Internet sieht man sie häufig: schnelle Fragebögen zum Thema „Bin ich depressiv?“ oder „Depressionen selbst erkennen“. Solche Tests schaden oft mehr, als sie nützen. Denn sie fragen nur nach den Symptomen: Fühlst du dich niedergeschlagen? Hast du keinen Appetit oder vielleicht mehr Appetit als sonst? Schläfst du schlecht, normal, oder mehr als sonst? Bist du ständig müde? Und so weiter. Was die Tests nicht fragen: Gibt es einen Grund dafür?

Diese Fragebögen können nicht unterscheiden zwischen Depressionen und gesunder Trauer oder Stress oder einer körperlichen Krankheit. Im schlimmsten Fall treiben sie dich zum Psychiater, wenn du in Wahrheit einen Schilddrüsenspezialisten bräuchtest. Was ist Ursache, was ist Wirkung: Geht es dir schlecht, weil du dich schlecht fühlst? Oder fühlst du dich schlecht, weil es dir wirklich schlecht geht? Brauchst du eine Gesprächstherapie, brauchst du Antidepressiva, oder brauchst du bloß einen anderen Chef? Diese Frage können die üblichen Tests nicht beantworten. Das kann nicht einmal der Diagnose-Fragebogen, den Ärzte und Therapeuten benutzen. Deshalb ist es wichtig, dass dein Arzt viele mögliche andere Krankheiten und Probleme ausschließt, bevor er eine Depression diagnostiziert und Medikamente verschreibt.

Es sind nicht immer Depressionen: Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden

Es gibt viele körperliche Krankheiten, deren Symptome aussehen können wie eine Depression. Vor allem Schlafprobleme machen dich schnell kaputt und dauermüde. Gerade nach Absetzen der Pille kann es auch PMS sein, mit dem du zu kämpfen hast. Und nicht zuletzt gibt es im Leben viele Probleme, welche dich für Tage oder Wochen niedergeschlagen und lustlos machen können. Also nicht gleich zu Antidepressiva greifen! Geh vorher sicher, dass keines der folgenden Dinge schuld ist an deinen Beschwerden.

Die Schilddrüse

Das Schilddrüsenhormon Thyroxin ist wichtig für fast alle Vorgänge im Körper. Es bestimmt, wie viel Energie deine Zellen und Organe verbrauchen dürfen. Deshalb ist streng geregelt, wie viel Thyroxin deine Schilddrüse ins Blut abgibt. Aber was passiert, wenn die Regelung nicht klappt? Bei einer Schilddrüsenüberfunktion verbrennst du viel Energie. Dir ist ständig zu warm, du bist hibbelig und nimmst ab, auch wenn du viel isst. Du bist flatterhaft, leicht zu begeistern, springst von einem Gedanken und von einem Plan zum anderen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion dagegen hast du wenig Energie. Dir wird leicht kalt, du hast wenig Antrieb, vielleicht auch wenig Hunger. Deine Gedanken werden langsam und schwerfällig. Du bist kaum für etwas zu begeistern. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist leicht mit einer Depression zu verwechseln. Aber mit Thyroxintabletten lässt sie sich gut behandeln.

PMS: das Prämenstruelle Syndrom

Nach der Pille kommt dein natürlicher Monatszyklus langsam wieder. Dazu kann leider auch das Prämenstruelle Syndrom (PMS) gehören. Fast 80 % aller Frauen haben irgendeine Form von Stimmungsschwankungen während ihres Zyklus. Und viele, die vor der Antibabypille kein PMS oder nur leichtes PMS hatten, bekommen es nach dem Absetzen heftig. Wie sieht das prämenstruelle Syndrom aus? Bevor die Regel anfängt, werden manche Frauen reizbar und jähzornig. Andere werden traurig und lustlos. Bei etwa der Hälfte aller Frauen mit PMS sind die Schwankungen klein. Sie können sich darauf einstellen oder das Syndrom einfach ignorieren.

Die andere Hälfte bekommt deutliche Beschwerden. Bei den PMS-Aggressiven kann das Wutanfälle bedeuten, welche dem Umfeld zu schaffen machen und der Frau selbst später leid tun. Die PMS-Deprimierten dagegen fallen jeden Monat für ein paar Tage in ein schwarzes Loch, ähnlich einer richtigen Depression. Mit einem wichtigen Unterschied: Das PMS-Stimmungstief geht vorbei. Wenn du also ein paar Wochen nach dem Pille absetzen plötzlich niedergeschlagen und traurig bist, dann die Regel bekommst und den Rest des Monats wieder normal bist, dann brauchst du keinen Psychiater. Der Frauenarzt kann dir helfen: Pflanzliche Präparate wie Johanniskraut können das Stimmungstief mildern. In schweren Fällen hilft ein mildes Hormonpräparat für die zweite Zyklushälfte.

Schlafstörungen

Zu klinischen Depressionen gehört meistens eine Schlafstörung. Aber es kann auch umgekehrt sein: Die Schlafprobleme sind die Ursache, ständige Müdigkeit und Lustlosigkeit die Wirkung. Wer eine Nacht nicht schläft, ist den ganzen nächsten Tag brummig oder müde. Wer immer schlecht schläft, fühlt sich jeden Tag kaputter. Aber es gibt verschiedene Methoden, um besser einzuschlafen und durchzuschlafen. Man fasst sie zusammen als Schlafhygiene: Zwischen Abendessen und Schlafenszeit sollten zwei Stunden Zeit sein zum Verdauen. Die letzte Stunde vor dem Zubettgehen solltest du auf keinen Handy- oder Computerbildschirm mehr schauen. Kaffee, Schwarztee und Energy Drinks gibt es ab dem frühen Nachmittag nicht mehr. Und vielleicht brauchst du eine andere Matratze?

Eine besonders heimtückische Schlafstörung ist die Schlafapnoe. Hier rutscht im Schlaf die Zunge nach hinten in den Rachen und verschließt den Luftweg: Du hältst, ohne es zu wollen, die Luft an. Sobald dein Gehirn merkt, dass weniger Sauerstoff ankommt, wacht es ein Stück weit auf und schiebt die Zunge wieder nach vorne. Dann schläfst du wieder ein und das ganze geht von vorne los. Du selbst merkst nichts und glaubst, du hättest durchgeschlafen. Aber in Wahrheit bist du alle paar Minuten aufgewacht. Am Morgen fühlst du dich, als hättest du überhaupt nicht geschlafen. Schlafapnoe ist unter Männern weit verbreitet, aber Frauen können sie auch bekommen. Meistens erkennt der Partner oder die Partnerin eine Schlafapnoe als erster. Und zwar daran, dass der Betroffene furchtbar schnarcht.

Alle Jahre wieder: der Frühjahrsblues

Frühjahrsmüdigkeit bekommen vor allem Frauen. Die meisten Betroffenen klagen jedes Jahr darüber, aber manche bekommen sie nur einmal im Leben. Man weiß nicht genau, wie eine Frühjahrsmüdigkeit entsteht. Aber in schweren Fällen kann der Frühlings-Blues so aussehen wie eine klinische Depression. Hast du die Pille im Winter abgesetzt, und fühlst dich im Frühling plötzlich niedergeschlagen und müde? Vielleicht hast du keine Depressionen, sondern leidest an Frühjahrsmüdigkeit.

Trauer, Druck oder Stress

Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit muss nicht von einer Krankheit oder von Depressionen kommen. Es gibt genügend Auslöser im Leben: Wenn jemand stirbt; oder ein lieb gewonnenes Vorhaben scheitert; wenn du deinen Arbeitsplatz verloren hast; oder du dich mit Problemen alleine gelassen fühlst – in all diesen Situationen ist es normal, traurig zu sein. Das sind keine Depressionen, das ist nur menschlich. Deshalb musst du dich fragen: Hat sich in deinem Leben etwas verändert, bevor sich deine Stimmung verändert hat? Auch ein guter Arzt wird das fragen, bevor er Depressionen feststellt. Hast du den Arbeitsplatz gewechselt? Folglich hast du einen neuen Chef bekommen oder Kollegen, mit denen es dir schwer fällt, zusammen zu arbeiten? Oder hast du einen neuen Partner? Vielleicht hast du die Antibabypille abgesetzt, weil du ein Baby möchtest, aber es klappt noch nicht mit der Schwangerschaft? Findest du eine äußere Ursache für deine Traurigkeit, dann kannst du eine Lösung suchen.

Wann zum Arzt, und zu welchem?

Wenn du dich nach Absetzen der Pille grundlos niedergeschlagen fühlst, ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Wenn du kannst, warte eine Woche mit dem Termin. Gehen die Beschwerden in der Zwischenzeit von selbst vorbei und kommen im nächsten Monatszyklus wieder, dann kannst du davon ausgehen, dass es PMS ist. In dem Fall kannst du geradewegs zum Frauenarzt gehen. Kannst du PMS als Ursache ausschließen, dann ist die Schilddrüse der nächste Verdächtige. Der Hausarzt geht mögliche Ursachen mit dir durch, macht die nötigen Tests und überweist dich zum richtigen Spezialisten. Hast du wirklich Depressionen, dann ist der Psychiater oder Psychotherapeut letztendlich die richtige Hilfe. Aber zuerst musst du herausfinden, ob du nicht eine andere Krankheit hast. Fehldiagnosen kommen leider viel zu häufig vor. So manche Frau, die Antidepressiva nimmt, bräuchte in Wahrheit etwas anderes.

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