Frauenhand, offene ruhiger See Strand Seite zu dunklen stürmischen Ozean ersetzen ©Tsung-Lin Wu/123rf.com

Angstzustände bekämpfen – Symptome Ursachen Hilfe

Ängste können dir das Leben retten. Aber sie können auch dein Leben beeinträchtigen. Phobien, Angstzustände und Panikattacken können verschiedene Ursachen haben. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und bekämpfst.

Was sind Angstzustände?

Angst ist gesund und wichtig. Sie hält dich davon ab, mit dem Fahrrad schneller zu fahren, als du bremsen kannst. Oder beim Wandern zu nahe an den Rand einer Klippe zu gehen. Triffst du jemanden mit einem Messer in der Hand, bringt dich Angst dazu, rechtzeitig weg zu laufen. Für unsere Vorfahren war das überlebenswichtig. Und noch heute kann es Verletzungen ersparen. Manche Menschen bekommen schneller Angst als andere. Fachleute sprechen von der Angstschwelle, die bei manchen höher und bei manchen niedriger ist.

Angstzustände ohne Grund

Angst ist jedenfalls ganz normal, solange es einen Grund dafür gibt. Schlimm werden Ängste erst, wenn sie ohne Grund auftreten. Zum Beispiel mitten bei der Arbeit, auf dem Bürgersteig oder abends im Bett. Plötzlich rast das Herz und die Brust wird eng. Du hast das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Was auch immer du gerade tust – an Weitermachen ist nicht zu denken. Du sitzt wie gelähmt oder rollst dich auf dem Boden zusammen. Bis schließlich der Angstzustand irgendwann wieder abebbt. Was bleibt, ist die Unruhe. Wird es wieder passieren? Wann und wo? Die Angst vor der Angst kann reichen, um jederzeit eine neue Attacke auszulösen – ein Teufelskreis.

So fühlen sich Angstzuständen an: die Symptome

Das wichtigste Anzeichen für einen Angstzustand steckt schon im Namen: Angst. Und zwar grundlose Angst. Nicht vor einer Prüfung oder einem knurrenden Hund. Auch nicht vor einem Gespräch mit dem Chef, sondern einfach so. Du willst davonlaufen. Obwohl du nicht weißt, wovor oder wohin. Vielleicht bemerkst du auch zuerst das Herzrasen und die Atemnot. Wahrscheinlich denkst du an einen Infarkt oder einen Asthmaanfall. Dann hältst du deine Angst für ganz normal: Du verwechselst die Ursache mit der Wirkung.

Bei einem Angstzustand oder einer Panikattacke steigt dein Adrenalinspiegel. Plötzlich schwitzt du. Noch dazu atmest du schnell und flach. Weiterhin können Brustschmerzen auftreten. Eine akute Panikattacke dauert nur Minuten, auch wenn es dir länger vorkommt. Bei leichteren Angstzuständen bleibt es vielleicht bei Unruhe und Schlaflosigkeit. Aber diese halten dafür länger an.

Woher können Angstzustände kommen?

Junge Frau sitzt am Boden in dunklem Zimmer

(©Katarzyna Białasiewicz/123rf.com)Angstzustände: Woher können Angstzustände kommen?

Angstzustände sind häufiger, als du vielleicht denkst. Jeder vierte Mensch erleidet mindestens einmal im Leben einen lähmenden Angstanfall. Ursachen und Auslöser gibt es viele. Sowohl körperliche als auch geistige. Die körperlichen sind oft nicht leicht zu erkennen. Manche Nervenerkrankungen gehen mit einer Angststörung einher. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion kann schuld sein. Oder falsch eingestellte Tabletten bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Außerdem haben bestimmte Medikamente Ängste auf der Nebenwirkungsliste. Dazu gehören Psychopharmaka, aber auch einige Medikamente gegen Parkinson. Noch dazu manche Antibiotika. Drogen und Alkohol können ebenfalls die Ursache sein.

Psychische Ursachen und Auslöser für Angstzustände

Die psychischen Ursachen für Angstzustände reichen von Stress und Burn-Out bis hin zur generalisierten Angststörung. Enorme seelische Belastungen, wie ein Trauerfall oder der Verlust des Arbeitsplatzes können vorübergehend die Angstschwelle senken. Oder die Diagnose einer schweren Krankheit. Dann reicht der kleinste Auslöser für eine ausgewachsene Panikattacke. Glücklicherweise verschwinden hier die Ängste wieder, sobald der Schock einmal bewältigt ist. Schwerer zu bekämpfen sind Angsterkrankungen, zum Beispiel Phobien oder eine generalisierte Angststörung. Sie treten alleine auf oder gemischt mit anderen psychischen Erkrankungen. Zum Beispiel Depressionen oder Schizophrenie. Auch das Posttraumatische Belastungssyndrom hat Ängste als eines seiner Symptome. Nur ein Psychiater kann hier die genaue Diagnose stellen und somit die Angststörung behandeln.

Angstzustände und die Pille

Der Hormonhaushalt kann schuld sein an vielen psychischen Problemen. Besonders, wenn man ihn künstlich verändert. Deshalb bekommen manche Frauen Panikattacken oder auch Depressionen als Nebenwirkung der Antibabypille. Das kann bereits im ersten Monat anfangen. Es kann aber auch ein oder zwei Jahre lang mit dem Hormonpräparat gutgehen, bevor dann schleichend die Nebenwirkungen auftauchen. Die meisten Betroffenen wissen deshalb nicht, woher ihre Ängste kommen. Sie machen Stress dafür verantwortlich. Auch Psychiater und Therapeuten denken selten an die Pille.  Und zwar dann, wenn eine Frau schließlich wegen Angstzuständen oder Panikattacken zu ihnen in die Praxis kommt. Erst suchen sie nach anderen möglichen Ursachen. Fehldiagnosen sind häufig. Entsprechend geht auch die Behandlung in die falsche Richtung. Dass es an den Hormonen gelegen hat, bemerkt man erst, wenn die Angstzustände nach Absetzen der Pille wieder verschwinden. Das kann allerdings dauern.

Angstzustände nach dem Pille absetzen

Nach der Pille braucht der Körper Zeit, um seinen natürlichen Rhythmus wieder zu finden. Wenn du wegen der Pille Angstzustände hattest, können sie nach dem Absetzen noch eine Zeit lang weitergehen. Es kann auch passieren, dass Angstzustände erst nach der Pille auftauchen. Denn das Absetzen ist eine riesige Umstellung für den Körper. In den ersten Monaten klagen manche Frauen über verschiedenste Nebenwirkungen. Darunter sind – wenn auch selten – Angst und Panikattacken. Diese Symptome sollten aber von selbst wieder verschwinden. Ansonsten könnte eine andere Ursache dahinter stecken, wenn sie dies nicht tun. Ein Besuch beim Arzt ist jedenfalls ratsam, wenn nach der Pille plötzlich Angstzustände und Panikattacken auftreten.

So kannst du Angstzustände bekämpfen

helfende Arzthand

(©Alexander Korzh/123rf.com)Angstzustände: So kannst du Angstzustände bekämpfen

Der erste Ansprechpartner bei Angstzuständen ist immer dein Hausarzt. Er sucht mit dir gemeinsam nach den Ursachen der Angst. Sind Medikamente schuld, die du nimmst? Dann werdet ihr überlegen, ob du sie absetzen kannst. Vielleicht kannst du die Dosis verringern oder ein anderes Präparat verwenden. Es können aber auch Alkohol oder Drogen die Ursache sein. Der Arzt hilft dir, diese Gifte aus deinem Leben zu verbannen. Es kann aber auch an einer Schilddrüsenstörung oder einer Nervenkrankheit liegen. Dann überweist er dich an den passenden Facharzt. Wenn die Pille schuld an den Angstzuständen ist, kannst du ein anderes Präparat ausprobieren. Dieses verträgst du vielleicht besser. Wenn das nicht der Fall sein sollte, steigst du besser auf eine andere, hormonfreie Verhütungsmethode um. Hausmittel oder pflanzliche Tees brauchst du nicht zu probieren. Denn wenn die Ursache der Angstzustände weiter bestehen bleibt, werden sie dir Sie wenig helfen.

Der Umgang mit Angstzuständen

Falls die Angstzustände von einem Verlust kommen oder von einer Lebenskrise, gehen sie oft von selbst wieder vorbei. Trauer oder die Diagnose einer schweren Krankheit bewältigen manche Betroffene alleine. Wiederum andere holen sich Hilfe. Kommen die Angstzustände dagegen von Stress, musst du gezielt diesen Stress bekämpfen. Und zwar mit kürzeren Arbeitszeiten oder einer Auszeit. Vielleicht hilft aber auch ein Jobwechsel. Oder du machst dir beim Sport den Kopf frei und übst dich in Meditation. So kannst du deinen Adrenalinspiegel senken und die Angstzustände gleich mit überwinden.

Therapien und schnelle Hilfe im Notfall

Was ist aber der Grund, wenn keine körperlichen Ursachen in Frage kommen? Oder Wenn du keine Lebenskrise bewältigen musst und auch keinen Stress hast? Dann könnten die Angstzustände zu einer psychischen Erkrankung gehören. In diesem Fall hilft dir ein Psychiater oder Therapeut. Phobien, wie Höhenangst oder Spinnenphobie, lassen sich mit einer Konfrontationstherapie gut behandeln. Bei Traumata hat sich Somatic Experiencing bewährt. Gegen eine generalisierte Angststörung hilft eine Psychotherapie. Zusammen mit dem Psychiater oder Therapeuten findest du auch kurzfristige Bewältigungsstrategien für den Notfall. So kannst du einzelne Angstzustände und Panikattacken überwinden. Bis die Therapie sie endgültig verschwinden lässt.

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